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Einstmals…

Ein Ausschnitt aus der Schulzeitung Nr. 105 – Michaeli 2008:

Gedicht „Die Stufen hinunter“ von Helene Oswald – ehemalige Schülerin:

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Nebel umhüllt dich.
Die Nacht ist still.
Gesträuch und Gebüsch, sie wiegen sich nur sachte im Wind.
Hier und da ein leises Knistern aus dem Geäst.
Kein einziger Stern am Himmel zu sehen.
Nur die alte Laterne, an der hohen Steinmauer, sie gibt noch ein wenig Licht in der schwarzen Nacht.

Die Stufen – vor dir.
Unbehagen ist alles, was in diesem Moment zu spüren ist.
Angst.
Zittern.
Du beginnst zu zweifeln…
Sollst du es wirklich wagen?
„Ich kann es ja morgen noch einmal versuchen…
Das werden sie doch verstehen.
Morgen wird es mir leichter fallen…“
Doch irgendetwas war da noch…

Es war etwas in dir, das dich zurückhält.
So zart wie ein Hauch und doch stark genug, um dich zu halten.
„Was will ich denn jetzt eigentlich?
Wollte ich nicht die Kraft der Überwindung ihnen zum Dank opfern?
Wäre es nicht der größte Dank, jetzt in diesem Moment, die Kraft aufzuwenden und die Stufen
hinab zu steigen – Schritt für Schritt –?“

Ein Schaudern durchfährt dich…

…denn das kostet Kraft.

Die alte Steinmauer, sie wirkt plötzlich bedrohlich.
Denn ihr kann die Kälte, die Finsternis, die Nebelschwaden – all das nichts anhaben…
Ohne zu wissen – setzt du den ersten Schritt – die ersten Stufen.

Es scheint als würde es noch kälter werden.
Die Nacht noch finsterer.
Die Finsternis wurde immer unerträglicher.
Der Schein der Laterne ist nur noch zu erahnen, mit viel Mühe.
Noch ein Schritt weiter und noch einer und noch einer…

„Alle Kraft. Die Kraft in jedem Schritt, in jedem Atemzug gebe ich euch zum Dank…“

Wandel.

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Die Schritte scheinen plötzlich immer leichter zu werden, während du dich ganz deinem Dankgebet hingibst.
Auch die Kälte schien nun nachzulassen.
Die dichten Nebel schienen sich zu lichten.
Das Knistern hier und da – es beängstigt dich nicht mehr.
Du gibst dich ganz dem Vertrauen hin.
Ein leichter Schein – Licht aus der Ferne war zu erkennen.

Die Laterne?
Nein.
Die gibt schon lange nicht mehr so ein helles Licht von sich.
Feuer entflammt in dir.

Liebe ist alles.
Du fühlst dich ganz leicht… immer leichter, als würdest du schweben.
Ein Engel…
Dein Engel.
Ein Gedankenblitz.
„Das muss ich erzählen… der ganzen Welt mitteilen.“

Doch, da hält plötzlich etwas in dir inne –.
Eine innere Stimme… oder nur ein Erahnen?
Nicht die gescheiten Gedanken werden den Menschen helfen,
sondern die guten Taten im Leben.

Die Seele der Menschen muss es spüren,
der Kopf ist schon genug voll gestopft.
Darum – nicht erzählen wie es ist,
sondern lebe wie es ist…