Screenshot 2017-12-20 17.47.59

Charta Respektvoller Umgang

WALDORF bemüht sich um…
W ertschätzung
A chtsamkeit
L iebevolles Interesse
D ankbarkeit
O rdnung
R espekt
F reiheit

ertschätzung
Wir – Schüler, Lehrer, Eltern, Mitarbeiter – haben in unserer Schule das Recht in einem Umfeld zu leben und zu arbeiten, welches unsere grundlegende Würde als Menschen bekräftigt und diese weder verletzt noch erniedrigt.
Wir achten und schätzen einander. Wir wissen, dass wir Fehler machen und dass wir aus Fehlern lernen können. Wir üben eine Kultur des Entschuldigens und Verzeihens.
Wertschätzung ist eine Haltung des Herzens.
So wie ein Vogel für seine Balance beide Flügel benötigt, braucht die Wertschätzung für die Balance das Ich und das Du.
Eine Haltung, die im Ich und im Du vorerst akzeptiert, was ist.
Sie zu leben, fällt jedem schwer, deshalb ist es hilfreich, sich auf Beispiele (unterschiedliche Lebensbereiche, Kulturen, Geschichten, Spiele,….) zu besinnen, in denen Wertschätzung gelebt wird, Vorbilder zu haben, die uns zeigen, was möglich ist.
Wertschätzung ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wenn es geachtet wird, unterstützt es den Frieden mit sich und den Anderen. In der Gegenwart von Menschen, die im Frieden mit sich sind, fühlen wir uns wohl.
Wir sind Sender und Empfänger. Wenn wir Wertschätzung senden, empfangen andere Wertschätzung und werden angeregt dieses weiterzugeben.
Der tiefe menschliche Wunsch danach, gesehen, gehört und geliebt zu werden, macht Wertschätzung zu einer unendlich wertvollen Ressource unseres Zusammenlebens.

Achtsamkeit
Achtsamkeit können wir stetig weiterentwickeln und steigern: Aufmerksamkeit und Konzentration nach außen, auf Menschen, Lebewesen, eine Sache und nach innen, als liebevolle Hinwendung an das von der Seele Erlebte.
Die Erwachsenen haben die Aufgabe darauf zu achten, dass sowohl sie als auch die Kinder und Jugendlichen ausreichend Schlaf bekommen. Auch die Verantwortung über die zeitlich und inhaltlich angemessene Nutzung digitaler Medien liegt – insbesondere in der Unter- und Mittelstufe – bei den Eltern und darf nicht an die Schüler abgegeben werden.
Wir bemühen uns um einen achtsamen Blick auf den Konsum von Zucker, Koffein, Alkohol, Nikotin und sonstigen Rauschmitteln und sprechen mit den Heranwachsenden darüber.
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Deine Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
Mit jedem Einatmen achtet uns das Leben.
Der bewusste Atem (Ausatmen – Atemstille – Einatmen) bringt Sammlung, bringt uns in den Augenblick zurück.
Die Achtsamkeit braucht das Jetzt auf der körperlichen, gedanklichen und emotionalen Ebene.

Liebevolles Interesse
Wir wollen füreinander liebevolles Interesse entwickeln. Es ist aber auch notwendig, dies dem Anderen zu zeigen und mit Worten zum Ausdruck zu bringen.
Wenn wir heimkommen zu uns selber, können wir auf der Herzensebene die Liebe erfahren, um sie von dort weiterfließen zu lassen.
Den eigenen Mangel immer wieder aufspüren, anerkennen und verwandeln, ermöglicht uns immer mehr, immer öfter einem Du auf der Herzensebene zu begegnen.

Dankbarkeit
Wir üben Danke zu sagen für alles, was uns die Waldorfpädagogik und die Gemeinschaft der Schule schenkt und üben uns darin den Fokus auf das zu legen, was da ist und nicht auf das was fehlt.
Die Dankbarkeit hat einen sichtbaren Teil durch das Wort, das formuliert wird, die Handlungen, das Verhalten in der Schule, aber auch außerhalb der Schulgemeinschaft.
Der unsichtbare Teil lebt von der inneren Haltung jedes Einzelnen von uns.
Die Dankbarkeit braucht die Nahrung von den Kostbarkeiten, die an der Schule stattfinden, vom Bemühen, Einsatz und den vielen stillen, ungesehenen Stunden der Lehrer, von diesem, von den Eltern mitgepflegten, Platz, der unseren Kindern Naturerfahrung und Entfaltungsraum schenkt.

Ordnung
Wir wollen unsere äußere Umgebung und unser Zusammenleben und Zusammenarbeiten autonom gestalten, dafür vereinbaren wir Regeln und Zuständigkeiten, die so lange gelten und zu beachten sind, bis wir neue vereinbart haben.
Auch mit den Gegenständen und Räumen, die wir verwenden dürfen, möchten wir einen achtsamen Umgang pflegen. Wir schonen und bewahren sie vor Beschädigungen, wir halten sie sauber und pflegen sie und achten auch, wenn wir sie fortgeben, dass sie an den richtigen Platz kommen.
Es besteht eine unheimliche Symmetrie zwischen der inneren und der äußeren Welt.
Die Ordnung im Außen spiegelt wieder, dass wir auf diesem Platz Gäste, willkommene Gäste sind. Sie einzuhalten, sie wiederherzustellen ist ein Samen, der in die Welt mitgenommen wird.
Wenn die Dinge wieder ihren Platz bekommen, kann die Klärung im Außen in uns etwas bewirken, unsere Mitte wiederherstellen und den Geist dorthin richten, wo er sich sammeln möchte.

Respekt
Wir üben, einander zu sagen, was wir uns wünschen und was wir nicht wollen. Wenn wir für diese Gespräche oder bei der Lösung von Problemen und Konflikten Unterstützung brauchen, wenden wir uns an die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen: Vertrauenskreis, Clearingstelle,.. oder bitten Menschen an der Schule um Hilfe.
Im Unterricht ist es die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, Raum für Kritik zu schaffen. Die Schülerinnen und Schüler vermeiden ständiges Kommentieren und direktes Widerreden. Wir alle respektieren, dass unser gesamtes Schulgelände ein Handy-freier Raum ist und schalten die Mobiltelefone aus.
Wir bemühen uns um ein friedliches Miteinander und vermeiden Gewalt in Taten und Worten. Wir verwenden keine Schimpfworte und keine verletzenden Worte.
Das innere Wesen jedes Menschen braucht uneingeschränkt unseren Respekt.
Worte, Handlungen, Geschehnisse, die schädlich sind, die stören, die kränken, die zerstören ….brauchen eine respektvolle Grenzsetzung.
Die Balance zwischen dem eigenen Wollen und dem der Gemeinschaft dienlichen immer wieder herzustellen braucht uns alle.
Ein ehrlicher, offener Dialog (auch neuen Themen gegenüber) muss möglich sein.
Die Schule soll ein Übungsfeld sein, dass Mädchen und Jungen schon früh lernen, besser miteinander auszukommen. Erweitern wir das Spektrum an Reaktionsmöglichkeiten (Offene Aggression oder gänzlicher Rückzug sind keine echten Alternativen).
Raufen, Schlagen….. sind Kräfte und Energien, die einen Kanal brauchen, aber niemals einen Menschen treffen sollten. Ein Schlag wirkt, die Auswirkungen des Schmerzes, der Demütigung zeigen sich vielleicht erst Jahre später (Amokläufe…..).
Mit jedem Schlag sinkt die Hemmschwelle.
Schaffen wir gemeinsam Lösungen, die explodierenden, unerlösten Kräfte mit den jungen Menschen in Bahnen zu lenken und zu erlösen, damit sie niemanden körperlich oder seelisch verletzen müssen.
Die Lizenz zum Verletzen gibt es nicht.

Freiheit
Wir sehen einander als eigenständige Menschen, die sich zu immer größerer Autonomie entwickeln möchten. Auch die Lehrerinnen, Lehrer und Eltern unterstützen einander bei dieser Entwicklung und respektieren individuelle Unterschiede. Gleichzeitig wissen wir, dass wir trotz unserer Eigenheiten die Grenzen der Anderen respektieren- meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.
Wir fördern ein Denken auf mehreren Ebenen, das zum Ziel hat, verschiedene Standpunkte zu entfalten und wir lehnen eindimensionales Denken ab.
Jeder soll sich sicher fühlen seine Gedanken, Gefühle und Bedenken zu äußern.
Freiheit braucht einen nährenden und sicheren  Boden. Damit der Lebensweg und die Lebensaufgabe jedes Einzelnen frei werden können, braucht es das innere Licht, das freie Fließen der Energien und die Nährstoffe des Herzens und des Verstandes  seines Umfeldes.
Je größer die Empfindung der inneren Freiheit wird, umso achtsamer kann die Begegnung  mit der Freiheit eines Mitmenschen gelingen.